IST YOGA AUCH IM HÖHEREN ALTER MÖGLICH?

Ja – wenn Yoga dem Menschen angepasst wird.

„Jeder, der Yoga intensiv übt, wird Erfolg haben, sei er jung, alt, gebrechlich, krank oder schwach.“

Hatha-Yoga-Pradipika

Für Yoga ist es nie zu spät.

Aber Yoga muss nicht in jedem Lebensalter gleich aussehen.

Ein Mensch mit 55 Jahren kann körperlich stärker eingeschränkt sein als ein Mensch mit 75. Ein anderer Mensch verfügt auch mit 80 noch über große Beweglichkeit, Kraft und Gleichgewicht.

Deshalb ist im Yoga50plus nicht allein das Alter entscheidend.

Entscheidend ist der Mensch, der vor uns steht.


NICHT DER MENSCH PASST SICH DER ASANA AN

Die Asana wird dem Menschen angepasst.

Das ist einer der wichtigsten Grundsätze meines Yoga50plus-Unterrichts.

Eine klassische Yogaübung ist für mich keine unveränderbare Form, die jeder Teilnehmer möglichst genau erreichen muss.

Wir fragen stattdessen:

Was ist die Grundidee dieser Asana?

Welche Bewegung möchten wir ermöglichen?

Wo benötigen wir Stabilität?

Welche Gelenke werden belastet?

Wie können wir die Übung vereinfachen oder verändern?

Welche Alternative ist für diesen Menschen sinnvoller?

So bleibt die Idee der Yogaübung erhalten, während ihre äußere Form individuell angepasst werden kann.


YOGA50PLUS DARF FORDERN

Ältere Menschen brauchen nicht grundsätzlich nur leichte Übungen.

Auch mit zunehmendem Alter sind Kraft, Stabilität, Beweglichkeit, Koordination und Gleichgewicht wichtige Bestandteile der Yogapraxis.

Die entscheidende Frage lautet nicht:

„Ist diese Übung leicht genug?“

sondern:

„Ist diese Belastung für diesen Menschen angemessen?“

Yoga50plus sucht deshalb einen Mittelweg zwischen Unterforderung und Überforderung.


RÜCKEN UND GELENKE BERÜCKSICHTIGEN

Mit zunehmendem Alter treten Rücken- und Gelenkbeschwerden häufiger auf. Gleichzeitig unterscheiden sich Art und Ausmaß körperlicher Einschränkungen erheblich.

Deshalb lernen wir, Asanas zu verändern.

Eine Anpassung kann beispielsweise erfolgen durch:

✓ einen kleineren Bewegungsumfang

✓ eine stabilere Ausgangsstellung

✓ langsameres Üben

✓ Unterstützung durch Stuhl oder Hocker

✓ Decken, Kissen oder andere Hilfsmittel

✓ eine veränderte Beinstellung

✓ eine alternative Asana

Gelenkschonend bedeutet nicht bewegungslos.

Rückengerecht bedeutet nicht kraftlos.


KRAFT ERHALTEN UND ENTWICKELN

Kraft bekommt im Yoga50plus eine besondere Bedeutung.

Eine gute Yogapraxis verbindet deshalb Mobilisation und Kräftigung.

Wir möchten nicht nur beweglich sein.

Wir brauchen auch Kraft, um diese Beweglichkeit zu kontrollieren.

Deshalb gehören Übungen für:

Beine

Rumpf

Rücken

Schultergürtel

und die stabilisierende Muskulatur

zu einem ausgewogenen Yoga50plus-Unterricht.


GLEICHGEWICHT UND STANDFESTIGKEIT

Auch Gleichgewicht und Koordination können bewusst geübt werden.

Dabei beginnen wir dort, wo sich ein Teilnehmer sicher fühlt.

Eine Gleichgewichtsübung kann beispielsweise zunächst mit Unterstützung eines Stuhls durchgeführt werden.

Mit zunehmender Sicherheit kann die Unterstützung schrittweise reduziert werden.

Sicherheit → Vertrauen → Herausforderung

Nicht die spektakuläre Haltung ist das Ziel.

Das Ziel ist eine kontrollierte und bewusste Bewegung.


VOM STEHEN ZUM BODEN

Auch die Übergänge zwischen den Übungen gehören zum Yoga.

Für manche Teilnehmer ist der Wechsel vom Stehen zum Boden problemlos.

Für andere kostet er viel Kraft oder bereitet Beschwerden.

Deshalb muss eine Yogastunde nicht ständig zwischen Stehen – Sitzen – Liegen wechseln.

Wir können Übungen sinnvoll zu Übungsphasen zusammenfassen.

Und wenn der Boden nicht geeignet ist, kann Yoga auch auf einem Stuhl oder Hocker praktiziert werden.

Die äußere Form verändert sich – Yoga bleibt Yoga.


DER ATEM ALS BEGLEITER

Bewegung und Atem werden im Yoga50plus zunehmend miteinander verbunden.

Dabei wird der Atem zunächst beobachtet.

Wie verändert er sich während einer Bewegung?

Kann ich ruhig weiteratmen?

Was geschieht beim Aufrichten?

Was geschieht beim Loslassen?

Der Atem hilft uns, Bewegung und Körperwahrnehmung miteinander zu verbinden.

Wir erzwingen den Atem nicht – wir lernen, ihn wahrzunehmen.


WOHLSPANNUNG STATT LEISTUNG

Zwischen zu viel Anspannung und zu wenig Aktivität liegt ein Bereich, den ich als Wohlspannung bezeichne.

Der Körper ist dabei:

aktiv, aber nicht verkrampft

stabil, aber nicht starr

beweglich, aber nicht haltlos

entspannt, aber nicht kraftlos

Diese Wohlspannung lässt sich nicht von außen verordnen.

Sie muss erfahren werden.


MIT DEM ALTER KANN DER INNERE YOGA WACHSEN

Yoga50plus beschäftigt sich nicht nur mit dem Körper.

Mit zunehmender Lebenserfahrung können andere Fragen wichtiger werden:

Was trägt mich?

Was kann ich loslassen?

Was gibt meinem Leben Sinn?

Wie gehe ich mit Veränderungen um?

Was bedeutet Älterwerden für mich?

Hier öffnen sich weitere Bereiche des Yoga.


VON ASANA ZUR MEDITATION

ASANA

Den Körper bewegen und wahrnehmen

↓

PRANAYAMA

Den Atem erfahren

↓

PRATYAHARA

Die Aufmerksamkeit nach innen führen

↓

DHARANA

Den Geist sammeln

↓

DHYANA

Meditation

Die äußere Yogapraxis kann sich im Laufe des Lebens verändern.

Der innere Yoga kann gleichzeitig tiefer werden.


YOGA50PLUS

Individuell statt schematisch.

Schrittweise statt überfordernd.

Kräftigend statt nur schonend.

Beweglich ohne Zwang.

Rücken- und gelenksgerecht.

Atembewusst.

Ganzheitlich.

Nicht das Alter bestimmt die Yogaübung.

Der Mensch bestimmt die Yogaübung.

Nicolai Romanowski
Diplom-Sozialpädagoge · Yogalehrer BDY/EYU
Leiter des Pädagogischen Forums für Yoga (PFY)